Zukunft findet Stadt

Angehende Produktdesignerinnen und -designer gestalten gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern die Zukunftsregion Coburg und Oberfranken.

»Wie wollen wir in Zukunft leben?«

Studierende des Integrierten Produktdesign der Hochschule Coburg entwickeln zusammen mit der Stadt Coburg Kommunikationsstrategien für ein nachhaltiges Miteinander. Unter dem Titel »Zukunft findet Stadt« entstehen Konzepte und Vorschläge zur Verbesserung der Sichtbarkeit von Initiativen und Projekten sowohl der Stadt als auch von engagierten Bürgerinnen und Bürgern, die gemeinsam an sozialen und ökologischen Entwicklungen im Kontext der UN-Nachhaltigkeitsziele arbeiten. Die erste öffentliche Präsentation fand am 10.7. im Zukunftsraum Coburg bereits Anklang. Bürgermeister Can Aydin lobte das engagierte Ideenreichtum und freute sich über die vielfältigen Vorschläge für ein lebenswertes Coburg.

Am 25. und 26. Juli wird es noch Gelegenheit geben, die Ausstellung am Campus Design der Hochschule zur diesjährigen Werkschau zu besuchen.

Foto: Stadt Coburg
Bürgermeister Can Aydin besucht die Ausstellung im Zukunftsraum. Foto: Stadt Coburg
Foto: Markert
Der Zukunftsraum aus der Fußgängerzone. Foto: Markert
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Bürgermeister Can Aydin und Prof. Michael Markert eröffnen die Ausstellung im Zukunftsraum. Foto: Stadt Coburg

Viele junge Menschen engagieren sich bereits für eine lebenswerte Zukunft. Das Semesterprojekt Zukunft findet Stadt fand deshalb unter den Studierenden großen Anklang. Über den Sommer entwickelten sie auf Einladung der Stadt Coburg und dem Zukunftsraumder Bürgerinnen und Bürger Ideen und Konzepte, um die vielfältigen Aktionen und Initiativen in und um den Zukunftsraum im Steinweg 14 sichtbarer zu machen. Das Kooperationsprojekt zeigte auch, dass ein gemeinsames Engagement ein hoffnungsvolles und positives Aktionsfeld ist. Karin Engelhardt, die im Büro des Oberbürgermeisters für Innovation & Projektentwicklung zuständig ist, meint hierzu: »Ich freue mich sehr, dass der bestehende Kooperationsvertrag COxScience zwischen der Hochschule und der Stadt Coburg solche Früchte trägt. Die Stadtverwaltung profitiert immer von jungen Ideen und neuen Sichtweisen«.

Arbeiten im Fokus

So kann man in der Fußgängerzone nicht nur mit der Gestaltung von Schaufenstern experimentieren und deren Wirkung beobachten, wie Laura Kathrin Ankenbauer und Nadja Chrystianowicz mit ihrem »Zukunftsfenster«. Neben einem schlauen Ordnungssystem für aktuelle Projekte auf Pinnwänden und vielen Pflanzen, steht vor allem der attraktive Selfie-Spot,eine mobile vertikale Blumenwand, im Fokus des Entwurfs. Unter dem Hashtag #Zukunftsraumkommt das Projekt auch in den sozialen Medien zur Geltung.

Foto: Laura Kathrin Ankenbauer
Blumen-Selfie-Wand von Laura Ankenbauer und Nadja Chrystianowicz. Foto: Laura Kathrin Ankenbauer
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Das Webteam und Vorschläge für die neue Webseite. Foto: Stadt Coburg
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Web-Entwürfe zur Abstimmung. Foto: Laura Kathrin Ankenbauer
Foto: Laura Kathrin Ankenbauer
Foto: Laura Kathrin Ankenbauer

Es können in der Innenstadt auch erste Überlegungen und Skizzen von digitalen Angeboten mit den unterschiedlichsten Passanten getestet werden. Dorothee Bellinger, Gregor Hamp und Julian Reiber überarbeiteten die Webseite des Zukunftsraums mit verbesserten Ideen nicht nur zur Gestaltung, sondern auch im Hinblick auf barrierefreien Zugang, etwa bei der Registrierung im Mitmach-Portal. Auch eine digitale Karte mit vielen Zusatzinformationen war Teil des Projekts »Zukunftsraum Website Redesign«.

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Alina Freund stellt ihre App “Entdeckerpass” vor. Foto: Laura Kathrin Ankenbauer
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“Hier. Da. Zukunft Coburg.” von Michaela Zech. Foto: Michael Markert
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Michaela Zech erläutert die Landkarte. Foto: Stadt Coburg

In einem freundlichen Plausch in der Fußgängerzone gewinnen die angehenden Designerinnen auch viele hilfreiche Einsichten und lernen, den Umgang mit Produkten aus anderen Perspektiven wahrzunehmen. Dies war auch für Alina Freund eine wichtige Erfahrung, die in die Entwicklung ihrer mobilen App »Entdeckerpass« eingeflossen ist. Über eine geolokalisierte App, in der man mit Methoden der Gamification digitale Abzeichen beim physischen Besuch von Stationen im Stadtgebiet sammeln kann, sollen Interessierte spielerisch auf die vielfältigen Angebote aufmerksam gemacht werden.

Michaela Zech beschäftigte sich in ihrem Projekt »Hier. Da. Zukunft Coburg.« mit der Entwicklung einer hybriden Landkarte, die analoge und digitale Informationen zu relevanten Projekten in Form einer haptischen Stadtkarte mit Markierungen begreifbar macht.

Ada Doering entwickelte mit ihrem Beitrag »Coburg dreht am Rad« nicht nur Vorschläge für interaktive Mitmach-Stationen, die zu spannenden Interaktionen einladen und mit etwas Glück auch interessante neue Begegnungen und Erlebnisse versprechen. Neben digitalen Links entwarf sie auch mobile stapelbare Informations-Aufsteller, die über weitere Projekte informieren.

»Im Kern geht es tatsächlich um Kommunikation, es gibt ja schon so viel tolle Aktionen, da hätte ich viel früher mitgemacht, wenn ich davon gewusst hätte« …

…ist die einhellige Meinung unter den inspirierten Studierenden.

Foto: Laura Kathrin Ankenbauer
Lisa Bialons Mitmach-Station. Foto: Laura Kathrin Ankenbauer
Foto: Laura Kathrin Ankenbauer
Foto: Laura Kathrin Ankenbauer

Deshalb geht es auch bei Lisa Bialon nicht nur um die Papiervorlagen, die mit wenigen Bastelschritten zu einer kleinen farbenfrohen Papiertüte werden, die als Samentütchen verschenkt werden können und so auf den Zukunftsraum selbst oder andere Projekte aufmerksam machen. Nebenbei entsteht durch die gemeinsame »Produktion« auch ein Bezug zum Endprodukt, was ein relevantes Gestaltungselement für das Produktdesign darstellt: Das gemeinsame Erlebnis mit potenziellem Engagement neuer Interessierter wurde von den Teilnehmenden bestätigt.

Pia Stötzer zeigte sich überrascht, dass die schönen Pflanzkästen im Stadtgebiet sogar erst kürzlich von Studierenden der Fakultät Design entworfen wurden, die in einem Seminar bei Prof. Philipp Stingl in Kooperation mit der Stadt und dem Creapolis Makerspace entstanden. Pia Stötzer entwickelte nun mit »Stadtgrün zum Essen« ein Konzept, das die aktuelle Bepflanzung mit essbaren Kräutern und Beeren erkennbarer macht: An ihren »Nasch-Haltestellen« wird über Schilder und Tafeln auf das Projekt und die Pflanzen sowie deren Essbarkeit hingewiesen.

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Was machst du für Coburg? Foto: Stadt Coburg
Foto: Laura Kathrin Ankenbauer
Samuel Salazar fragt, was man für seine Stadt tut. Foto: Laura Kathrin Ankenbauer

Eine niederschwellige Ansprache bietet auch die Idee von Samuel Salazar: »Du & Coburg« fragt durch kleine, etwa an Sitzbänken frei platzierbare Schilder nach dem Verhältnis von Bürger und Stadt. »Was machst du eigentlich für Coburg?« soll keine Ermahnung sein, sondern stellt die wichtige Frage nach individueller Teilhabe, Mitsprache und auch dem Erleben von Selbstwirksamkeit durch Machen statt Meckern.

Im Integriertes Produktdesign, das in Coburg am Campus Design als Studiengang angeboten wird, geht es neben der Konstruktion industriell produzierbarer Güter auch um nicht-physische Produkte bis hin zu Dienstleistungen und digitalen Services. »Aus einem exzellenten Produktdesign entsteht manchmal der Kern einer Marke. Es gibt viele Beispiele aus dem Alltag, in dem große Firmen mit ihren Produkten Erlebnisse bieten. Es geht nicht mehr nur um ästhetische oder funktionale Aufgaben, sondern auch um eine empathische Ansprache und die Gestaltung von positiven Erlebnissen — vor, während und nach der Nutzung«, erläutert Prof. Dr. Michael Markert, der das Kooperationsprojekt auf Seiten der Hochschule Coburg als Mentor betreut:

»Genau hier können wir als zukünftige Produktdesignerinnen und -designer mit kreativen Ansätzen einen Beitrag leisten, indem wir moderne Entwicklungsmethoden mit partizipativen Ansätzen mitten in der Stadt gemeinsam entwickeln«.

Befragungen und Beobachtungen von Menschen, die Produkte nutzen, sind mittlerweile Standard bei der professionellen Entwicklung im Design. »Wir können in diesen Reallaboren, also in einer lebendigen Designforschung,iterativ Prototypen entwickeln, ausprobieren, verändern, manchmal verwerfen, daraus lernen und gemeinsam einen kreativen Raum für Diskussionen schaffen. Hierfür war der Zukunftsraum der Stadt Coburg unglaublich wertvoll« lobt Prof. Markert die vielfältigen Initiativen der unterschiedlichsten Akteure der Stadt.

Julia Kipke, Noa Nippe und Stella Schrüfer erweitern mit ihrem Projekt »Wo Zukunft liegt« den Zukunftsraum in den Stadtraum hinein. Nach mehreren Iterationen entstanden die Kreise des Zukunftsraum-Logos als gesprühte Markierungen auf dem Gehweg im Steinweg. So werden viele Projekte in den Fokus der Fußgänger gerückt. Dabei kann die Beschriftung mit Kreide temporär bis zum nächsten Regen, aber auch langlebiger über bedruckbare Asphalt-Folien angebracht werden.

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Chiara Spitzer stellt ihr Generationenkonzept vor. Foto: Laura Kathrin Ankenbauer
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Ich biete an… und interessiere mich für… Foto: Laura Kathrin Ankenbauer
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Foto: Laura Kathrin Ankenbauer
Generationen gemeinsam verbinden von Chiara Spitzer. Foto: Laura Kathrin Ankenbauer

Einen wichtigen Aspekt des gesamten Projektes beleuchtete Chiara Spitzer mit Ihrer Broschüre »Gemeinsam Generationen verbinden«. Mit diesem generationenübergreifenden Konzept unterstreicht sie, wie wichtig gerade soziale Nachhaltigkeit ist. Speziell Generationen, die das Leben unter schweren Bedingungen kennen, gelten als Expertinnen in Fragen der Nachhaltigkeit und ressourcenschonendem Umgang, insbesondere in privaten Haushalten. Das ist wertvolles Wissen, an dem junge Generationen heute interessiert sind.

Hierin sind alle einig: Es lohnt sich, die spannenden Initiativen in Coburg kennenzulernen und beim ein oder anderen mitzumachen.

Insgesamt hat das Projekt im Zukunftsraum nicht nur viel Spaß gemacht, sondern auch Hoffnung gegeben. Katharina Probst, Projektmanagerin des Zukunftsraum Coburg, hat den Hochschulkurs durch das Semester begleitet und findet ebenfalls zuversichtliche Worte: »Die Studierenden haben gezeigt, dass frische Ideen und Kreativität wegweisende Impulse setzen können, um die Bürgerbeteiligung in Coburg noch inklusiver, lebendiger und zukunftsorientierter zu gestalten«. Denn hierin sind alle einig: Es lohnt sich, die spannenden Initiativen in Coburg kennenzulernen und bei der ein oder anderen mitzumachen.


Beteiligte

  • Laura Kathrin Ankenbauer und Nadja Chrystianowicz:
    Zukunftsfenster
  • Dorothee Bellinger, Gregor Hamp und Julian Reiber:
    Zukunftsraum Website Redesign
  • Lisa Bialon: Gemeinsam wachsen
  • Ada Doering: Coburg dreht am Rad
  • Alina Freund: Entdeckerpass
  • Julia Kipke, Noa Nippe, Stella Schrüfer: Wo Zukunft liegt
  • Samuel Salazar: Du & Coburg
  • Chiara Spitzer: Gemeinsam Generationen verbinden
  • Pia Stötzer: Stadtgrün zum Essen
  • Michaela Zech: Hier. Da. Zukunft Coburg.

Betreut und unterstützt durch

Hochschule Coburg:

  • Prof. Dr. Michael Markert
  • Thomas Langhanki
  • Christian Licht
  • Verena Blume

Stadt Coburg:

  • Karin Engelhardt
  • Katharina Probst
  • Silja Jahreiß

Termine

  • Do, 10.7.2025 von 13–15 Uhr im Zukunftsraum Coburg, Steinweg 14
  • Fr, 25.7. und Sa, 26.7.2025 Werkschau Campus Design, Am Hofbräuhaus 1

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